Ok, der Beitrag steht schon im AF, jedoch ist dort dtz. der Eifer der Unfallanalytiker ein derartiger, dass jeder Beitrag in Minutenschnelle in den unerreichbaren Tiefen zurückliegender Forenseiten verschwindet, da offenbar einer schnellen Untergangswirkung unterliegend wie auch alles in Facebooks Timeline. Finde das eher schade, insbes. wenn man doch einiges an Zeit zur Zusammenstellung von Beitragen reingebuttert hat... Somit kommts ins wohlige SS...oops. Sommerschi.

Nur so am Rande, einige Akteure. Ich meine man sollte deren Hintergründe, Agenden und Möglichkeiten bei der Analyse vorlaufender Unfallursachen nicht ganz außer Acht lassen:
1.) Besitzer ("Proprietario"): Betreibt Anlage nicht selber, trägt i.d.R. jedoch die Kosten zum Erhalt der Substanz, somit wären dies große Revisionen und Gebäude.
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Gemeinde Stresa, seit der Renovierung 2015, davor die Region Piemont. Knapp bei Kasse und daher Seilbahnbetrieb per Auschreibung nach Bestbieterverfahren an Betreiber-Konsortium aus Nerini und Leitner bis 2028 vergeben. Eine vorhergehende Auschreibung ging leer aus, für die zweite erfolgreiche erhöhten Region und Gemeinden ihre Zuschüsse substantiel.
2.) Pächter und Betreiber ("Gestore") der Anlage:>>
Bis auf vier Jahre wurde die Bahn seit der Einweihung 1970(71?) bis heute von "Ferrovie del Mottarone", gehörend der Familie Nerini, betrieben. Von 1997 bis 2001 fuhr die Gemeinde die Bahn selber. Die Famile Nerini war zuvor seit Anbeginn in die Zahnradbahn involviert.
Leitner ist bereits 2016 aus der Kooperation mit Nerini ausgestiegen, nachdem Forderungen an Nerini (oder "Ferrovie del Mottarone"?) nicht geleistet wurden. Wonach Leitner die Verpfändung über 800k€ von Nerinis Privatvermögen erreichte. Nerini verdiente offensichtlich überaus gut mit dem Betrieb der Seilbahn. Er gab bisher an, vom unsachgemäßen Betrieb mit Forchettoni nichts gewusst zu haben und sei sich somit keiner strafrechtlichen Schuld bewusst.
3.) Technischer Leiter ("Direttore d'Esercizio"): Ist gegenüber dem Verkehrsministerium für die Einhaltung der behördlichen Normen verantwortlich und einzig diesem Verpflichtet. Benötigt akademischen Ing. Abschluss, ist idR. für mehrere Anlagen bzw. Betreiber tätig, vielfach nicht an der Anlage:
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Enrico Perocchio - Zugleich angestellt bei Leitner. Gab bisher an, vom unsachgemäßen Betrieb mit Forchettoni nichts gewusst zu haben und sei sich somit keiner strafrechtlichen Schuld bewusst.
4.) Betriebsleiter ("Caposervizio"): Ist für das Operative verantwortlich, also den Betrieb. Hat spezifische Ausbildung. Organisiert und beaufsichtigt Personal, das Abarbeiten der regelmäßigen Sicherheitprozedere und den allgemeinen Betriebsablauf u.a.m.. Berichtet dem Technischen Leiter:
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Gabriele Tadini, hat seinen eigenen Fehler eingestanden. Ein älterer angenehmer Herr wie ich erfuhr, der mir vor einigen Jahren die Anlagen an der Mittelstation demonstrierte.
5.) Ursprüngliches Betreiberkonsortium (2015-2016):>> Firma
"Funivie del Mottarone": Firmenkonsortium aus Nerinis "Ferrovie del Mottarone" (20%) und Leitner (80%), gegründet im Zuge der Bewerbung auf die PPP-Auschreibung. Der Überwiegende Teil der Revisionskosten von etwa 4,4Mio€ wurde durch die öffentliche Hand aufgebracht, aber durch das PPP Konsortium tw. vorgeschossen. Das Konsortium wurde bald wieder aufgelöst, Nerinis "Ferrovie del Mottarone" war fortan der alleinige Betreiber. Für die Anteile Leitners -so war es zu lesen- bezahlte Nerini lediglich 8000€.
6.) Seilbahnhersteller:
>> 1970 Firma
Agudio aus Turin, übernommen durch
Poma-Agudio um die Jahrtausendwende, welche die Bahn um 2002 mit neuen Laufwerken ausstattete. 200x übernommen durch
Leitner Sterzing.
Leitner gewann 2015 in Kooperation mit Nerinis "Ferrovie del Motarone" die PPP-Auschreibung der Gemeinde Stresa zur großen Revision der Anlage und Betrieb bis 2028 (oder 29?).
Die hydraulischen Anlagen am Laufwerk vergab Leitner an die durchaus erfahrene Firma RVS Oleodinamica aus Turin, die sich im Seilbahnbau in Italien als Sublieferant für hydraulische Abspannungen, Antriebe und Bremsen bewährt hat.
Leitner erhob bald finanzielle Forderungen gegenüber Nerini aufgrund von nicht abgegoltenen Leistungen. Daraufhin erreichte Leitner eine Verpfändung im Gegenwert von etwa 800k€ von Nerinis Privatvermögen.
Kurz darauf wurde das Konsortium aufgelöst (vgl. #5). Leitner muss jedoch seinen eingegangenen Verpflichtungen zur gewöhnlichen und außergewöhnlichen Wartung ("manutenzione ordinaria e straordinaria") bis 2028 auch weiterhin nachkommen. Hierfür erhält/erhielt(?) Leitner regelmäßig(?) in Tranchen oder einmalig(?) einen fixen Betrag, der spätestens mit dem Ausscheiden aus dem Konsortium fixiert wurde. Kolportiert wurde ein Fixbetrag von 2 Mio € für die gesamte Laufzeit.
Wäre dies eine Art Service-Abonement für die regelmäßige Wartung und alles was unverschuldet kaputtgehen kann? Diese Konstellation könnte Einfluss auf die Beurteilung der offenbar anhaltenden Mängel (Druckverlust Hydraulik) des Fangbremsensystems nehmen...
Hinweise: Die angegebenen Jahreszahlen können um ein Jahr abweichen. Obige Angaben entspringen meinem Verständnis aus italienischen Presseberichten und müssen nicht der Realität entsprechen.