Im tiefen Süden – die Sierra Nevada
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25.08.2008
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Eigentlich sind es die äußeren Umstände des Ausfluges nicht wirklich wert, einen Bericht zu verfassen; aufgrund der Tatsache, dass es sich hierbei um die Sierra Nevada handelt, und es von dort bisher kaum Berichte gibt, schriebe ich trotzdem einen.
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Die Sierra Nevada - genauso wie Alpen, Apennin, etc. während der alpidischen Faltung entstanden - ist das höchste Gebirge der Iberischen Halbinsel. Dieser Gebirgszug erstreckt sich über 80 km in West-Ost-Richtung und über 40 km in Nord-Süd-Richtung und liegt in den andalusischen Provinzen Granada und Almería, der Großteil jedoch ist zur Provinz Granada zu zählen. Die höchsten Erhebungen liegen im östlichen Teil der Sierra und erreichen Höhen von bis zu knapp 3500 m - es gibt immerhin 14 Dreitausender: Mulhacén (3481 m), Veleta (3398 m) und Alcazaba (3366 m) sind die drei höchsten Gipfel. Nach dem Pico de Teide auf Teneriffa sind sie auch die höchsten Berge Spaniens.
Seit etwa 20 Jahren spielt auch der Naturschutz in der Sierra Nevada eine große Rolle, weshalb einige Maßnahmen ergriffen wurden: nachdem 1986 die UNESCO die Sierra zum Biosphärenreservat deklariert hatte, zog die andalusische Regierung 1988 nach und erklärte die Sierra Nevada zum Naturpark. Dies hatte auch zur Folge, dass die bis dahin höchste Bergstraße Europas, die am Veleta vorbei auf über 3000 m Höhe nach Capileira in den Alpujarras führte, für den KFZ-Verkehr gesperrt wurde. Mittlerweile fahren nur noch Kleinbusse der Parkverwaltung hinauf, mit dem eigenen PKW darf man bis zum Kontrollpunkt Hoya de la Mora auf 2550 m Höhe fahren.
1999 schließlich wurde die Sierra Nevada zum Nationalpark erklärt und stellt somit bis dato den größten spanischen Nationalpark. Das Gebiet, in dem sich das Skigebiet befindet, zählt freilich nicht zum Nationalpark, dessen Grenzen sich unmittelbar am Ende der Skiflächen befinden.
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Nun noch einige Worte zum Skigebiet im Allgemeinen: Das Skigebiet der Sierra Nevada ist mittlerweile ein hochmodernes Skizentrum mit gut ausgebauter Beschneiungsanlage und modernen Liftanlagen. Der Talort ist Pradollano, auf 2100 m gelegen, eine Retortenskistadt. Der zentrale Platz ist recht nett gestaltet, über ihm befinden sich die ganzen Hotel- und Appartementanlagen.
Von Pradollano gehen zwei Gondelbahnen, eine KSB und 1 SB ins Skigebiet. Den wichtigste Punkt im Skigebiet stellt Borreguiles dar, von wo viele wichtige Liftanlagen weitergehen.
In der Sierra Nevada sollte die Ski-Weltmeisterschaft 1995 ausgetragen werden. Aufgrund von Schneemangel musste das Ganze allerdings auf 1996 verschoben werden. Mittlerweile ist jedoch die Beschneiungsanlage erheblich ausgebaut worden, sodass die Sierra Nevada eine recht lange Saison hat.
Hier noch ein paar Links zu Winterberichten aus der Sierra Nevada:
Bericht von miki vom 6. und 7.2.2006
Bericht von kaldini vom 23.12.2003
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Im Rahmen unseres Sommerurlaubs in Andalusien verbrachten wir auch einen Tag in der Sierra Nevada. Die Anfahrt von Nerja (übrigens ein sehr schöner Ferienort, hat noch Charakter, nicht so hemmungslos zugebaut wie die restliche Costa del Sol!) an der Küste dauerte doch etwas mehr als zwei Stunden, da es aufgrund der noch nicht fertiggestellten Autobahn um Almunécar dort immer zu recht langen Staus kam. Doch ansonsten ist die Anfahrt problemlos. Die Straße hinauf in die Sierra Nevada nach Pradollano ist excellent ausgebaut und auch nicht allzu steil.
Nun zum Wetter, dass mitunter das größte Problem darstellte. Im Gegensatz zum Umland und v.a. zur Küste, wo eigentlich zwei Wochen Sonne pur waren, hielten sich in der Sierra Nevada permanent einige Wolken. So war der Himmel über dem Gebirge eigentlich die ganzen zwei Wochen über bedeckt, ab und zu spitze die Sonne raus. Die Temperaturen waren im Gegensatz zur Hitze im Tal eine Wohltat, auf 2500 m hatte es aber immer noch ca. 20°.
Wir fuhren zunächst einmal durch Pradollano hindurch und dann noch ein Stückchen weiter, soweit man halt mit dem Auto fahren darf. Auf 2550 m Seehöhe ist dann am Kontrollpunkt Hoya de la Moya Schluss, weiter darf man nicht fahren - außer mit Kleinbussen der Parkverwaltung.
^^oben am Kontollpunkt Hoya de la Moya
Die Bergstraße von Granada in die Sierra Nevada ist bei Automobilherstellern sehr beliebt: sie ist gut ausgebaut, bergig und führt in recht große Höhen. Außerdem ist im Sommer wenig los. Deshalb werden dort häufig Testfahrten mit neuen Automodellen und Prototypen gemacht.
^^irgendein Prototyp, es stand gleich eine Reihe solcher verkleideter Autos rum
Dort oben am Kontrollpunkt gibt es eigentlich nur einen Parkplatz, zwei Holzhütten mit gammlig-wirkenden Bars und das hier...
^^eine alte Gondel, evtl. von der alten Borreguiles-Bahn, weiß es aber nicht...
Aussicht vom Parkplatz:
^^hieroben gibt's sogar noch ein paar Bäume
^^Ausblick Richtung Granada
^^ Ausblick in die Sierra Richtung Nordosten
^^und Richtung Osten
^^ein paar Felsen
Wenn man nun auf die andere Seite des Parkplatzes wechselt, hat man einen guten Ausblick ins Skigebiet und auf den Veleta
^^Blick zum Veleta, rechts davon liegt das Skigebiet
^^6KSB Virgen de las Nieves, DM 2004
^^Bergstation mit Veleta, oben ist eine Bergstation zu erkennen
^^Bergstation (grauenhaftes Design) Virgen de las Nieves mit Strecke
^^Stützen
^^nochmal Gesamtansicht mit Veleta
^^Tiefblick auf die EUBs Borreguiles und Al-Andalus und einen auf die Brutalo-Methode angelegten Ziehweg
^^Borreguiles und Teleskop
^^Blick in Richtung Loma de Dílar-Sektor
^^müssten die Weltmeisterschafts-Abfahrten sein
^^Tiefblicke Richtung Granada
Nach einer Pause oben am Kontrollpunkt machten wir uns wieder auf den Rückweg nach Pradollano. Bei der Fahrt durch das im Sommer wie ausgestorben wirkende Retortenstädchen fällt einem auf, dass die Hotels und Appartements doch in einem recht unterschiedlichen Zustand sind. Einige sehen richtig nett rausgeputzt aus, andere sind schon mitten im Verfall begriffen. Ich weiß nicht, ob das im Winter auch so krass auffällt, im Sommer jedenfalls sticht es einem direkt ins Auge.
Durch den Ort führt die in den 90ern erbaute DSB Parador.
^^DSB Parador, DM 1994
Unten im Zentrum von Pradollano angekommen, parkten wir das Auto auf dem oberirdischen Großparkplatz und machten uns auf den Weg ins Dorf. Im Zentrum gibt es einen recht großen Platz, der schön angelegt wurde und dem Ort somit doch ein klein wenig Charakter verschafft, wenngleich im Sommer natürlich alles ausgestorben ist. Ein paar wenige Bars haben geöffnet, sind jedoch nahezu komplett leer.
^^zentraler Platz von Pradollano
^^scheinbar gibt es oder soll es einen Wiegand-Rodler in Pradollano geben...
Vom Platz hat man auch einen guten Überblick über die Hotelbauten oberhalb des Platzes:
^^hier mit 6KSB Virgen de las Nieves
Direkt vom Ort weg führen gleich mehrere Seilbahnen ins Skigebiet: die 3SB Genil, ?EUB Borreguiles, 14EUB Al-Andalus und die 4KSB Jara. Aus einer eventuellen Seilbahnfahrt hinauf nach Borreguiles und weiter Richtung Veleta wurde jedoch nichts, da die EUB Borreguiles zwar ausgaragiert war, jedoch keinen Betrieb hatte. Alles war verrammelt. Entweder fährt sie nur am Wochenende oder der sommerliche Seilbahnbetrieb ist ganz eingestellt worden.
^^neue EUB Borreguiles vor den Häusern
^^Trasse
^^Leitner/Poma Bahn mit Sigma-Gondeln
^^nochmal Trasse
^^links 3SB Genil (DM 1985) und rechts 12(?)EUB Borreguiles (DM? 200?)
eins weiter rechts befindet sich die 14EUB Al-Andalus (DM 1990):
^^Umlenkscheibe in der Talstation
^^Gondeln
^^Ausfahrt Talstation
^^Strecke, links im Bild nochmal EUB Borreguiles
noch ein paar Meter weiter rechts ist dann schließlich die letzte der in Pradollano beginnenden Anlagen, die 4KSB Jara (DM 1992)
^^Talstation, recht angenehmes Design
^^Strecke
Nachdem hier ja alles - incl. der Seilbahnen - zu hatte, machten wir uns dann wieder auf den Weg in Richtung Tal und fuhren - über die noch nicht ganz fertiggestellte - Autobahn wieder zurück ans Meer.
^^am Ortsausgang von Pradollano, könnte auch die alte Borreguilesbahn sein?!?, leider verwackelt, aus dem Auto raus...
^^interessante Gestaltung
So, das war's erstmal aus der Sierra Nevada. Insgesamt ein schönes Erlebnis, dieses Gebirge mal aus der Nähe zu betrachten trotz des nicht so tollen Wetters und der fehlenden Möglichkeit (außer zu Fuß, aber dazu keine Mitstreiter und auch zu wenig Zeit...) weiter nach oben zu kommen.
Für den Winter stell ich mir die Sierra Nevada sicherlich auch als ganz nettes Skigebiet vor, wenngleich eher mit leichteren Abfahrten, außer den WM-Strecken natürlich.
Letzlich macht den Reiz dieses Skigebiets sowieso nicht die steilen Hänge oder auch nostalgische Lifte aus, sondern einfach die Tatsache, im tiefsten Süden Spaniens, 80 km vom Meer weg, Skifahren zu gehen. Hat schon was...
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Abschließend, auch wenn's ein wenig OT ist, noch ein paar allgemeine Dinge, die mir während der Reise durch Andalusien aufgefallen sind:
- In Andalusien herrscht ein unglaublich Bauboom, an jeder Ecke wird gebaut. Dabei wird jedoch nicht sonderlich naturverträglich gebaut, sondern alles was einem nicht passt, richtet man sich halt so hin. Als krassestes Beispiel fallen mir die Autobahnen ein: so praktisch wie sie sind, immer nötig wären sie sicher nicht. Und die Bauweise ist ziemlich krass, es wurde einfach alles weggesprengt, was so in den Weg kam.
- Vegetation: es ist unglaublich karg da unten, hat fast schon halbwüsten-Charakter. Das einzige was noch grün ist, sind die Golfplätze
- durch die fehlenden Niederschläge gibt es mitunter einen eklatanten Wassermangel, der durch die exorbitant hohen Verbräche gesteigert wird: es gibt zahlreiche Golfplätze, Blumen werden in der Mittagshitze stundenlang bewässert...
- der berüchtigte Ruf der Costa del Sol ist richtig: v.a. der westliche Abschnitt, also westlich von Málaga, ist hemmungslos zugebaut. Naja, wem's gefällt
mir jedenfalls nicht, ich war froh, in Nerja - am östlichsten Ende der Costa del Sol - zu sitzen, ein Dorf, das noch etwas ürsprünglichen Charakter bewahren hat können und von Bausünden weitgehend verschont geblieben ist. (wenngleich im August auch dort eines los ist, was ich aber auch gern hab
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